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UNHCR-Pressemitteilung vom 20. Januar 2012
Flughafenverfahren äußerst problematisch
Das sogenannte Flughafenverfahren führt zu grundsätzlichen Problemen im
Kernbereich des Flüchtlingsschutzes. Darauf weist das
UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) heute im Zusammenhang mit der
aktuellen Diskussion um die geplante Einrichtung eines solchen
Verfahrens am neuen Flughafen Berlin-Schönefeld hin.
Das Flughafenverfahren ist vorrangig auf Beschleunigung ausgelegt.
Dies gefährde jedoch die Verfahrensqualität, so der UNHCR-Vertreter für
Deutschland und Österreich Michael Lindenbauer. Die unverzüglich nach
Antragstellung durchzuführenden Anhörungen könnten nicht immer
angemessen vorbereitet werden. Und Gelegenheit, einen Anwalt zu
kontaktieren, müsse nach dem Gesetz erst nach der Anhörung gegeben
werden, also zu einem Zeitpunkt, in dem die wesentlichen Grundlagen für
die Entscheidung des Asyl-Bundesamtes bereits gelegt seien.
Der UNHCR-Vertreter sagte, Fehler in der Anhörung beeinträchtigten im
Fall der Ablehnung eines Antrags im Flughafenverfahren nicht nur die
Entscheidung des Bundesamts, sondern könnten auch auf das
Gerichtsverfahren durchschlagen.
Lindenbauer fügte hinzu, die äußerst kurzen Rechtsmittelfristen
beeinträchtigten zudem die Möglichkeit für Rechtsanwälte,
Rechtsmittelverfahren sorgfältig vorzubereiten und – innerhalb der
ebenfalls sehr knappen Begründungsfrist – überzeugende Schriftsätze
abzufassen.
Der UNHCR-Vertreter betonte, „diese Verkürzungen der Verfahrensrechte
sind insgesamt äußerst problematisch“. Denn im Asylverfahren gehe es
„um die Kerngarantie des Flüchtlingsschutzes – den Schutz vor
Abschiebung in ein Land, in dem den Betroffenen schwerwiegende
Menschenrechtsverletzungen drohen. Im Falle von Fehlentscheidungen
drohen den Betroffenen häufig existentielle Gefahren“.
Dies gelte, so Lindenbauer, für alle Schutzsuchenden. In besonderem
Maße ungeeignet erscheine das Flughafenverfahren jedoch für die
Behandlung der Schutzgesuche von unbegleiteten Kindern und von Personen,
die aufgrund von Gewalterlebnissen oder ähnlichen Ereignissen
traumatisisiert seien, hob der UNHCR-Vertreter hervor.
ENDE
Weitere Informationen:www.unhcr.de
Über eine Berücksichtigung in Ihrer Berichterstattung würden wir uns
sehr freuen. Auf Anfrage stellen wir Ihnen gerne auch hochauflösendes
und kostenfreies Bildmaterial zur Verfügung. Sollten Sie keine
UNHCR-Pressemitteilungen mehr erhalten wollen, so antworten Sie bitte
auf diese E-Mail mit STOPP im Subject.
Für Rückfragen steht Ihnen die UNHCR-Presseabteilung gerne zur
Verfügung.
Stefan Telökenteloken@unhcr.orgTelefon 030 202 202 10.
Dear all,
the somalian refugees detained in Lutsk/Ukraine are still in hungerstrike for their freedom and need more solidarity and support.
Find all news as well as statements and appeals from NGOs, UNHCR, EU-parlamentarians on our updated website:
http://bordermonitoring-ukraine.eu/
Please help to spread the informations and take part in the email-/fax-campaign for the freedom of the hungerstrikers.
Find the (updated) adresses and numbers as well as a draft for the letter attached and also on our website:
http://bordermonitoring-ukraine.eu/storage/faxemail-campaign/
Please help to ask more NGOs, Human Right Organisations, Antiracist networks in your cities and countries to join the solidarity campaign.
Best Greetings,
Hagen Kopp (for Bordermonitoring Project Ukraine)
If you want to declare your solidarity with the hunger strikes in Ukraine please send a mail/fax to the listed institutions:
Minister of Interior of Ukraine
zmi@mvsinfo.gov.ua
FAX: +380 44 254-96-34 or +380 44 256-1633
Volyn Department of Minister of Interior
cgz@bigmir.net
Head of State Migration Service of Ukraine
hotline@dmsu.gov.ua,
FAX: +380 44 254-78-81
Head of Parliamentary Human Rights Committee, O.Zarubynskyj
Zarubinskyi.Oleh@rada.gov.ua,
FAX: +380 44 255-49-02
Commissioner of Soupreme Court of Ukraine on Human Rights
omb@ombudsman.gov.ua
Mittwoch, 9. November 2011, 18 Uhr
H a s t i g, u n f a i r, m a n g e l h a f t
Veranstaltung mit Ines Welge, Flüchtlingsrat Wiesbaden
Haus der Jugend
Schulstraße 9, 14482 Potsdam
direkt am S-Bahnhof Potsdam-Babelsberg
K o m m e n t a r zur geplanten Inhaftierungseinrichtung und dem
Asylschnellverfahren auf dem neuen Schönefelder Flughafen in der
Wochenendausgabe der Berliner Zeitung
(von FR-Redakteur Matthias Thieme)
http://www.berliner-zeitung.de/meinung/kommentar-zum-berliner-willy-brandt-flughafen-mehr-brutalitaet-wagen,10808020,11103966.html
Artikel dazu in der gleichen Ausgabe der Berliner Zeitung:
„Abschiebegefängnis sorgt für Streit“
http://www.berliner-zeitung.de/politik/grossflughafen-abschiebegefaengnis-sorgt-fuer-streit,10808018,11104148.html
in der Frankfurter Rundschau:
http://www.fr-online.de/politik/abschiebegefaengnis-berlin--abschiebegefaengnis-sorgt-fuer-streit,1472596,11104148,view,asFitMl.html
Abschiebehaft auf dem Flughafen BBI verhindern! Abschiebeknast Grünau
schließen!
Demonstration zum Abschiebeknast Grünau am 10. Dezember 2011
15 Uhr S-Bhf Spindlersfeld
Seit 1993 ist das Recht auf Asyl in Deutschland praktisch abgeschafft. Um
10.000 Abschiebungen pro Jahr sicherzustellen, wird massenhaft
„polizeiliche Abschiebehaft“ angeordnet. Neben dem Abschiebeknast
Berlin-Grünau, der 1994 eingerichtet wurde, soll nun im Transitbereich des
neuen Flughafens Berlin-Brandenburg-International (BBI) in Schönefeld eine
weitere Haftanstalt gebaut werden. Unsere Demonstration am 10. Dezember
richtet sich gegen das System der Abschiebehaft und gegen den Neubau auf
dem BBI. Wir wollen uns mit einer großen Kundgebung vor dem
Abschiebegefängnis Grünau mit den Inhaftierten solidarisieren.
:: Das System Abschiebehaft ::
In der Abschiebehaft werden Menschen eingesperrt, die keine
Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland besitzen. Die Haftanträge der
Ausländerbehörden werden von den Amtsgerichten routiniert bestätigt – ein
Recht auf anwaltliche Unterstützung gibt es nicht. Die Haft kann auf bis
zu 18 Monate verlängert werden, wenn die Häftlinge den Behörden nicht
helfen ihre eigene Abschiebung zu befördern. Faktisch handelt es sich bei
der Abschiebehaft um eine Inhaftierung ohne Strafverfahren – um Haft ohne
Straftat.
Abschiebehaft ist die konsequente Fortführung des gesellschaftlichen
Ausschlusses von Migrant_innen und Flüchtlingen. Durch rassistische
Sondergesetze werden Beschränkungen in allen Lebensbereichen auferlegt:
Ein undurchsichtiges Netz von Gesetzen und Länderverordnungen, die durch
Willkür und Entrechtung Migrant_innen abschrecken und ihren Zuzug
verhindern sollen. Nach den Pogromen gegen Flüchtlingsunterkünfte vor 20
Jahren wurde dem Standortnationalismus mit der Grundgesetzänderung 1993
(dem sog. Asylkompromiss) in Richtung „Bedarfsorientierte Zuwanderung“
Rechnung getragen. Nicht mehr das Recht auf Asyl, sondern die
Verwertbarkeit für die deutsche Wirtschaft steht im Vordergrund. Durch die
EU-Osterweiterung, eine damit einhergehende europäisierte
Abschottungspolitik und die sog. „Drittstaatenregelung“ wird es für
Flüchtlinge immer schwieriger, die Bundesrepublik zu erreichen. So konnten
letztes Jahr mit 41.332 Asylanträgen gerade einmal ein Zehntel derer von
1992 gestellt werden.
:: Berlin und Brandenburg bauen einen neuen Abschiebeknast ::
Großbaustelle Flughafen BBI: Was für viele das neue Tor in den Urlaub ist,
soll für andere zum exterritorialen Endpunkt ihrer Flucht werden. Denn wie
erst im Oktober bekannt wurde, soll auf dem neuen Großflughafen ein
Abschiebeknast mit 30 Haftplätzen gebaut werden. Dieser ist eine späte
Folge des Gesetzespakets von 1993, das beschleunigte Asylverfahren für
fünf internationale Flughäfen vorsah und nun von Berlin und Brandenburg
umgesetzt wird. Im sog. Flughafenverfahren werden über die Asylanträge von
ankommenden Flüchtlingen bereits im Transitbereich entschieden. Nach einem
außergerichtlichen Schnellverfahren soll ein Großteil der Flüchtlinge
wieder abgeschoben werden. Als „hastig, unfair, mangelhaft“ bezeichnet Pro
Asyl die jährlich rund 300 Flughafenverfahren auf dem Flughafen Frankfurt
am Main.
Hand in Hand mit der Bundesregierung forcieren Berlin und Brandenburg auf
dem BBI nicht nur den Ausbau des rechtlich umstrittenen
Flughafenverfahren, sondern außerdem auch die Teilprivatisierung von
Knästen. Denn mit der Versorgung und Betreuung wurde die Sicherheitsfirma
B.O.S.S. beauftragt, die schon für den Abschiebeknast und die Zentrale
Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge (ZAST) in Eisenhüttenstadt zuständig
ist.
:: Abschiebeknast Grünau ::
Wie das System Abschiebehaft in Berlin umgesetzt wird, kann man im
Abschiebeknast Grünau beobachten: Enge Zellen, miserable Versorgung, kaum
Beschäftigung, stattdessen verordnetes Nichtstun. Zwar dürfen Handys
benutzt werden, doch es fehlt an Geld für Telefongespräche, für die
notwendigen Anwält_innen oder für Bücher und Anderes, um die erdrückende
Langweile zu überbrücken. Besonders perfide hieran ist, dass jeder Tag im
Knast die Häftlinge 65,26 Euro kostet. Dieser Betrag – zusammen mit den
Kosten für die Abschiebung – ist von den ehemaligen Häftlingen zu
begleichen, sollten sie noch einmal in die BRD einreisen. Ist eine erneute
legale Einreise ohnehin nahezu unmöglich, wird sie so auch noch
unbezahlbar.
Skandalös ist auch die medizinische Versorgung in der Berliner
Abschiebehaft: Schwerkranke werden erst nach langen Verzögerungen
behandelt, Menschen mit gefährlichen Infektionskrankheiten teilen Zellen
mit gesunden Häftlingen und Suizidgefährdete werden in Einzelzellen
isoliert, was die Suizidgefahr deutlich erhöht. Was auf den ersten Blick
nach bedauerlichen Mängeln aussieht, hat Methode: Im Knast gibt es kein
unabhängiges medizinisches Personal, sondern lediglich den
polizeiärztlichen Dienst, dessen Hauptaugenmerk nicht auf der Gesundheit
der Häftlinge, sondern auf deren „Reise- und Verwahrfähigkeit“ liegt.
Viele der hier genannten Punkte bemängelte auch die Länderkommission zur
Verhütung von Folter im Oktober 2011. Das Ziel kann jedoch nicht die
graduelle „Verbesserung“ oder die „Humanisierung“ des menschenverachtenden
Systems der Abschiebehaft sein, sondern nur dessen ersatzlose Abschaffung.
Statt sich für die Abschaffung der Abschiebehaft im Bund einzusetzen und
bis dahin zumindest auf Landesebene nach Regelungslücken zu suchen (wie es
in Rheinland Pfalz von rot-grün zumindest diskutiert wird) lässt sich
Berlin die Haft was kosten: In Grünau werden gerade 18 Personen
festgehalten, bei einer Gesamtzahl von 214 Haftplätzen und 192
Mitarbeiter_innen.
:: Widerstand im Knast::
Immer wieder gibt es Widerstand von Inhaftierten in Grünau. Zuletzt in die
Öffentlichkeit geriet der Fall von Victor Atoe. Wie er treten immer wieder
Abschiebehäftlinge in Hungerstreik oder sehen sich dazu gezwungen, sich
selbst zu verletzen, um eventuell aus der Haft entlassen zu werden. Im
Sommer 2005 kam es zu kollektiven Widerstandsaktionen, zeitweise
verweigerten mehr als 60 Insassen das Essen in der Haftanstalt. Die
Antirassistische Initiative Berlin dokumentierte innerhalb dieses
dreimonatigen Streiks 44 Selbstverletzungen, darunter Suizidversuche. Der
Haftalltag ging regulär weiter, Häftlinge kamen in Isolierzellen und
wurden abgeschoben.
:: Solidarität!::
Mit der Demonstration richten wir uns gegen Abschiebehaft und den Ausbau
des Flughafenverfahrens. Solidarisch sein kann neben der Demo auch heißen,
den Inhaftierten den Zugang zu Ressourcen zu verschaffen, die sie für ein
schnelles Rauskommen benötigen: Geld für Anwält_innen, Handy und
Gesprächsguthaben, aber auch Bücher und DVD’s, um die Langweile zu
überbrücken und nicht an den Bedingungen kaputt zu gehen. Wir rufen
deshalb auf, regelmäßig Geld oder Sachspenden (funktionsfähige Handys,
Telefonkarten, Bücher, DVD’s in den Sprachen der Inhaftierten) bei der
Initiative gegen Abschiebehaft abzugeben. Mit unserem Protest reihen wir
uns auch in den gegen weitere migrations- und sicherheitspolitische
Verschärfungen ein, wie sie am 8. und 9. Dezember in Wiesbaden auf der
193. Innenministerkonferenz in die Wege geleitet werden sollen. Auch
Silvester wollen wir mit einer Kundgebung vor dem Abschiebeknast ziehen,
um unserer Wut und Solidarität Ausdruck zu verleihen.
Freitag, 2. Dezember 2011, 18 Uhr, K9 (Kinzigstr. 9) Veranstaltung zur
Abschiebehaft und dem neuen Abschiebeknast auf dem BBI
Samstag, 10. Dezember 2011, 15 Uhr S-Bhf Spindlersfeld: Demonstration zum
Abschiebeknast Grünau Mit: Krach und Musik gegen den Abschiebeknast,
Grüße nach Drinnen und Draußen, Wunschdisco und Polit-Projektionen, Vokü
und Getränke, Aktionen und Infos, Live-Act.
Geldspenden können überwiesen werden werden an:
Name: Flüchtlingsrat Berlin
Verwendungszweck: „In den Knast“
Kto. Nr.: 311 68 03
BLZ: 100 205 00 (Bank für Sozialwirtschaft)
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